Börse Bukarest hofft auf globale Partner

London und Mailand sind zunehmend interessiert an der Bukarester Börse. Dies ist eine Folge der rumänischen Liberalisierungswelle.

Die Mailänder und die Londoner Börse wollen nach Berichten des „WirtschaftsBlatts“ die Entwicklung der Rumänischen Börse fördern. Im Oktober wird demnach in London und in Mailand eine Roadshow für die größten börsennotierten rumänischen Unternehmen stattfinden. Rumänische Unternehmen, die den Börsengang planen, werden ebenfalls an der Roadshow teilnehmen. In den nächsten Wochen sollen außerdem Seminare für die Ausbildung rumänischer Broker geplant werden. Im FTSE-Index soll zudem eine Sparte für rumänische Unternehmen eingerichtet werden. Des Weiteren beabsichtigen London und Mailand, die rumänische Regierung im Bereich Privatisierungen zu unterstützen. Dan Paul, Präsident des Verbands rumänischer Broker, bezeichnete es als Ziel des Verbands, das Interesse der großen, internationalen Finanz für das Unternehmen zu gewinnen.

Das Abkommen der Londoner und Mailänder Börse wird als perfekte Gelegenheit gesehen, um Kontakte zu einem Markt mit großem Wirtschaftspotenzial herzustellen. Rumänien hat sich im Zuge eines 2009 geschlossenen Abkommens mit dem IWF (Internationalen Währungsfonds), der Weltbank und der EU für 20 Milliarden Euro an Hilfsgeldern dazu verpflichtet, seine fünf größten Stromgesellschaften zu privatisieren, die an die Börse gehen könnten. Die rumänische Regierung beabsichtigt, den bisher gering ausgeführten Privatisierungsprozess voranzutreiben. Das Land erhofft sich davon allein in 2012 circa 1,7 Milliarden Euro.
Luca Peyrano, ein Sprecher der Mailänder Börse, geht von einem großem Wachstumspotential der Börse in Bukarest aus. Mailand habe vor allem im Bereich Privatisierungen beträchtliche Erfahrungen. Privatisierungen können die lokale Wirtschaft nach einer Phase der Rezession ankurbeln, sagte Peyrano. Seiner Ansicht nach hat die rumänische Börse noch viel Wachstumspotential, wobei Mailand sie aktiv unterstützen könnte.

Expansion nach Osteuropa

Für die Mailänder Börse sind die Expansionspläne in Osteuropa außerdem von besonderer Wichtigkeit, weil die italienische Börse zunehmend gegen den eigenen Bedeutungsverlust ankämpfen muss. Ende 2011 machte die Marktkapitalisierung aller in Mailand gelisteten Unternehmen demnach nur noch 21 Prozent des italienischen Bruttoinlandsproduktes aus. Dies ist der tiefste Wert seit 1996. In Deutschland liegt es bei geschätzten 40 Prozent. Die Börse Mailand befindet sich bei einem Vergleich der Performances der europäischen Leitindizes in den zurückliegenden zwölf Monaten mit einem Minus von rund 27 Prozent ebenfalls im hinteren Bereich.

Rumänische Fachkräfte zieht es ins Ausland

Doch trotz dieser positiven Signale für die rumänische Wirtschaft sind die Zahlen, die das „WirtschaftsBlatt“ vor wenigen Wochen veröffentlichte, ernüchternd: demnach haben seit den 80er Jahren geschätzte 3,5 Millionen Rumänen das Land verlassen. Im Oktober vergangenen Jahres wurde in Bukarest eine Volkszählung durchgeführt, wonach laut Statistik heute nur noch 19 Millionen Menschen in Rumänien leben. Die vorangegangene Zählung hatte noch 21,7 Millionen rumänische Einwohner ergeben. Einer der ausschlaggebenden Gründe, das Heimatland zu verlassen, ist demnach der im Vergleich höhere Lohn im Ausland. Dragos Rosca, Geschäftsführer des Investmentfonds Gemisa, geht davon aus, dass mehr rumänische Ärzte und medizinisches Fachkräfte Rumänien verlassen als Absolventen von den Universitäten und Schulen nachkommen. Eine Studie der Friedrich Ebert-Stiftung spricht sogar von einem generellen Misstrauen in die staatlichen Institutionen als Anlass für die Emigration ins Ausland. Es bleibt zu hoffen, dass die Zusammenarbeit mit der Mailänder und Londoner Börse infolge der Liberalisierungswelle neue Impulse für die Wirtschaft und die Bevölkerung in Rumänien liefert.

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